Künstlersozialkasse – Teil 4: Aufgenommen, was nun?

Aufgenommen! Wenn der Antrag akzeptiert wurde, hat man es geschafft. Für die aktuelle Tätigkeit als Künstler und Publizist anerkannt worden zu sein ist schon ein Grund großer Freude. Nun werden 50 % der Beiträge zur Kranken-, Pflege- und gesetzl. Rentenversicherung von der KSK übernommen. Gerade wer aus einem festen Job ausscheidet um viele Jahre später evtl. wieder von einem freien Schaffen in ein festes Beschäftigungsverhältnis zurückzukehren hat so keine größeren Unterbrechungen beim einzahlen in die gesetzliche Rentenkasse.

Vom diesem Zeitpunkt an hat man mit der KSK in der Regel nicht mehr viel zu tun. Lediglich einmal im Monat erkennt man eine Abbuchung der Beiträge und ein bis zweimal im Jahr erhält man Post. Unter andere bekommt man einen Bescheid über die gezahlten Beiträge und ein Formular, das auffordert die Einnahmen für das kommende Jahr möglichst genau zu schätzen. Aus dieser Schätzung berechnen sich dann die Beiträge. Je mehr man angibt, desto höher der Beitrag. Prinzipiell sollte man möglichst genau schätzen. Die Einnahmen aus den Vorjahren und die zu erwartenden Einnahmen sollten Grundlage der Berechnung sein. Die Einnahmen entsprechen dem steuerlichen Gewinn aus der selbstständigen Tätigkeit (also Einnahmen minus der Ausgaben). Der KSK steht es frei Stichprobenartig zu prüfen wie es um die tatsächlichen Einkommensverhältnisse steht, z.B. über einen Jahressteuerbescheid, denn sie anfordern kann. Es ist aber zu erwarten dass Sie dies nur macht, wenn man unter Verdacht gerät bewusst falsche Angaben zu machen.
Änderungen die ein gewisses Maß ausmachen (also größere Verluste oder übermäßig erhöhte Einnahmen) sollten man der KSK schriftlich nachmelden. Dann wird der Wert normalerweise korrigiert. Oft genügt es aber die Schätzung für das neue Jahr anzupassen. Rückwirkend sind die Anpassungen aber nicht, d.h. es werden keine Beiträge nachträglich verlangt. Wichtig ist: die KSK wünscht Jahresschätzungen. Also keine Monatsschätzungen abgeben. Überlasst es der KSK zu entscheiden ob der Beitrag erhöht wird oder nicht, es liegt in deren ermessen.

Ist man akzeptiert, kann man auch sofort die ganze Familie mitversichern (Ehepartner, Kinder bis zum Ablauf der Altersfristen).¬† Und dies ohne Mehrkosten. Bei Leistungsfällen sollte man nie mit der KSK in Kontakt treten. Die Künstlersozialkasse vermittelt die Beiträge nur. Ansprechpartner ist immer die Krankenkasse, Pflege- oder Rentenkasse, je nach Fall.

Einen besonderen Fall möchte ich hier noch ansprechen, der jedoch eher bei der Anmeldung eine Rolle spielt und dort beachtet werden sollte. Die KSK bietet eine der wenigen Möglichkeiten von einer privaten Krankenversicherung in eine gesetzliche KV zu wechseln. Der Spruch einmal “Privat immer Privat” zählt hier also in der Regel nicht. Und es kann durchaus Gründe geben von einer privaten Versicherung in eine gesetzliche zu wechseln. Gerade die hohen Beiträge so mancher privaten Versicherung sind eine enorme Belastung für den Freischaffenden und auch privat gut versichert zu sein ist manchmal nicht so rosig wie es versprochen wird. Wer sogar schon eine Krankheitsvorgeschichte hat und dann mit privaten KV zu tun hat, weiß wovon ich schreibe. Hier werden die Beiträge hochgeschraubt oder die zu erwartenden Krankengeschichten aus dem Leistungspaket herausgenommen. Das ist unsozial und lässt manchen den Wechsel zu den Privaten zum Alptraum werden.

Ansonsten gibt es noch eine Mindestgrenze, bei der man von der Abgabepflicht befreit wird, diese liegt im Moment bei: 3.900,00 EURO jährlich (325,00 EURO monatlich).

Sollte man die Tätigkeit wechseln, muss man dies unbedingt der KSK melden. Liegt die Tätigkeit in einem anderen künstlerischen Bereich können neue Nachweise angefordert werden. Ist es keine künstlerische/publizistische Tätigkeit oder ein festes Arbeitsverhältnis wird man aus der KSK “entlassen”. Die Versicherungspflicht erlischt. Auch hier sei gewarnt wer Informationen nicht korrekt weitergibt.

Es gibt weitere Infos direkt auf der Webseite der KSK und auch diverse Fachliteratur, aber ich hoffe ich konnte einen kleinen Überblick über die Künstlersozialkasse geben und so manches Horrorgerücht aus der Welt schaffen.

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3 Antworten zu “Künstlersozialkasse – Teil 4: Aufgenommen, was nun?”

  1. Mediaplayer Sagt:

    Super Beitrag!

  2. Don Fernando Sagt:

    Halllo! Kleine Rückfrage zu Deinem letzten Hinweis: Würde sich bei einem Wechsel zu einer anderen künstlerlischen/ publizistischen Tätigkeit ggf. auch die Berufsanfängerfrist verlängern??

  3. admin Sagt:

    Hallo, zur Frage von Don Fernando: der Wechsel der künstlerischen Tätigkeit kann gemeldet werden, wenn die KSK den jährlichen Erfassungsbogen sendet. Dort kann die aktuelle Tätigkeit vermerkt werden (einfach die andere Tätigkeit ankreuzen). Was dann passiert liegt im Ermessen der KSK selbst. Ist der Bereich ähnlich (also vom Industriedesigner zum Grafikdesigner), dann wird sich die KSK wahrscheinlich nicht mehr melden um neue Nachweise der Tätigkeit zu erhalten. Bei größeren Unterschieden, also vom Redakteur zum Musiker könnte ich mir schon Vorstellen, das ein erneuter Nachweis erbracht werden muss.